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Teil 2: Eugen Bommer in Großbottwar

Missionar Bommer Schulmeister in Großbottwar

Eugen Bommer hatte nach seinem Eintreffen in Großbottwar 1916 mit seiner Familie in der damaligen Villa Klumpp ein Unterkommen gefunden. Nach Aufhebung der Großbottwarer Lateinschule im Jahre 1925 zog die Familie mit der in Großbottwar 1918 geborenen Tochter Nelly und deren drei weiteren Geschwistern in die frei gewordene Präzeptorwohnung in der Lateinschule ein.

Aus dem Missionar ist nun ein Schulmeister geworden - gleich seinem Vater Karl Bommer, der Lehrer im Welzheimer Wald (Klaffenbach Gemeinde Ruders-berg) gewesen war. Doch das Missionieren blieb Eugen Bommer ein Leben lang, wie noch zu lesen sein wird. Da auch Großbottwarer Lehrer im Weltkrieg Soldaten waren, nahm Eugen Bommer die Stelle des stellvertretenden Schulleiters ein. Die vom württembergischen Kultusministerium vorgeschriebene 1. Lehrerdienstprüfung war ihm beim Eintritt in den Schuldienst erlassen worden. Doch im Jahr 1920 musste er die 2. Volksschuldienstprüfung machen, die Eugen Bommer erfolgreich mit der Gesamtnote "gut" ablegte. Der damalige Schulleiter der Volksschule, der legendäre Oberlehrer Jakob Bonz, von dem in Großbottwar bei Älteren heute noch gesprochen wird, bescheinigte Eugen Bommer "ein ausgeprägtes Pflichtgefühl".

Am 11. Dezember 1920 wurde Eugen Bommer zum Hauptlehrer ernannt. Bis zur Versetzung in den Ruhestand am 31.12.1937 waren unzählige Großbottwarer von ihm unterrichtet und erzogen worden - die Lehrer damals waren ja auch Erzieher und wurden nicht bloß so genannt. Doch Eugen Bommer war ein sanftmütiger Lehrer, der kraft seiner Autorität und seiner Geduld keinen Tatzen-stecken zur Züchtigung gebrauchte; es genügten ein paar Worte von ihm, und wenn dies zu wenig war, konnte er auch mal mit seinen Fingern ein paar Haare am Hinterkopf eines Unfolgsamen zupfen, was auch mal weh tun konnte. Als dann am 1. September 1939 der zweite Weltkrieg begann, musste Eugen Bommer als beamteter Ruhestandslehrer den ganzen Krieg über wieder Unterricht halten und trat dann endgültig am 28. Februar 1945, wenige Wochen vor Kriegsende, endgültig im Alter von über 67 Jahren in den Ruhestand.

Mehr als eine Generation Großbottwarer hatte er unterrichtet und im Religionsunterricht oft auch Beispiele von seiner Missionsarbeit in Indien erzählt, was natürlich bei seinen Schülern gewaltigen Eindruck hinterließ.


Eugen Bommer gründet den CVJM und baut das "Vereinshaus"

Als Eugen Bommer mit Frau und seinen drei Kindern im Kriegsjahr 1916 nach Großbottwar kam, das damals knapp 2.500 Einwohner zählte, wusste der vom Missionar zum Lehrer gewordene Eugen Bommer sich rasch den gegebenen örtlichen Verhältnissen anzupassen. Die Bevölkerung lebte damals größtenteils von der Landwirtschaft und vom Weinbau und war, wie auch die ansässigen Handwerkerfamilien, größtenteils Selbstversorger. Es herrschte Krieg und viele Männer standen an den Fronten in Frankreich und Rußland; Frauen, Kinder und Alte trieben die Landwirtschaft um - eine Zeit, in welcher Eugen Bommer geistigen und geistlichen Beistand leistete. Er kümmerte sich außerhalb der Schule auch um Jugendliche und wurde ihnen oftmals Ersatzvater anstelle des im Krieg stehenden Vaters. Da wurde ihm der Name "Vater Bommer" zuteil - ein Name, der ihm sein ganzes Leben lang blieb, wenn von ihm in Ehrfurcht gesprochen wurde.

Schon wenige Wochen nach Kriegsende gründete er im Februar 1919 mit da-mals 28 jungen Männern den CVJM - den "Christlichen Verein Junger Männer". (Anmerkung: Die "amtliche" Eintragung erfolgte lt. Gründungsurkunde des Amtsgerichts Marbach am Neckar dann am 12.09.1921; mit diesem Datum wurde auch der nachstehend erwähnte Kauf des Vereinsgrundstücks getätigt.)

Ein Klassenzimmer in dem im Jahr 1834 von der einstmaligen Allerheiligenkirche zum Schulhaus gewordenen Gebäude diente als Versammlungsraum, der des großen Zulaufs wegen bald nicht mehr ausreichte.

Richtfest des CVJM Vereinsheim
Eugen Bommer und die Mitglieder "seines" CVJM beim Richtfest
Eugen Bommer entschloss sich deshalb, mit seinen Jünglingen ein eigenes Vereinshaus zu bauen. Die Brüder Adam und Christian Pantle stellten an der oberen Oberstenfelder Straße ein großes Grundstück zur Verfügung.

Als die damals herrschende Inflation mit der Einführung der Rentenmark am 15. Oktober 1923 vorüber war, wurde im Frühjahr 1924 mit den Bauarbeiten begonnen, die Baugrube ausgehoben, betoniert und gemauert alles in eigener Handarbeit und am Feierabend , so dass nach einem Jahr das Richtfest gefeiert werden konnte.

Am 25. Oktober 1925 war dann die Einweihungsfeier; rund 11.000 Mark waren aus der Bevölkerung an Geld, Gaben und Leistungen zusammen gekommen; die Regie von Vater Bommer bewährte sich, seine Arbeit als Prediger in der Männerbibelstunde war ihm aber ebenso wichtig. Musikalisch veranlagt, gab er nebenbei noch Harmonium und Klavierunterricht und bestellte seinen Hausgarten, nachdem er zwischenzeitlich im Haus des früheren Stadtschultheiß Burckardt Wohnung genommen hatte.

Schon in den ersten Jahren seines Bestehens gründete Eugen Bommer im CVJM den Posaunenchor, dem dann auch Trommler und Pfeifer angehörten und der heute ebenso wie der CVJM selbst viele Mitglieder zählt und musikalisch überaus erfolgreich wirkt. Kaufmann Carl Hemminger und dann August Korf, Postexpedient, ehemaliger Militärmusiker und im neuerbauten "Vereinshaus" wohnend, waren die ersten musikalischen Leiter des Chores. Das "Vereinshaus", ein Name, das dem Gebäude mit seinen zwei Wohnungen bis heute geblieben ist, war mit seinen Räumen eine Stätte, die in den Jahrzehnten seines Bestehens vielseitig genutzt wurde. Lange Jahre in der Vorkriegs und Kriegszeit diente das Haus auch als Schulgebäude, in der eine Schulklasse untergebracht war. Neben den Versammlungen des CVJM und den Bibelstunden fanden dort auch Versammlungen anderer Vereine statt, war das Haus mit seinem großen Saal vor dem letzten Krieg zeitweise auch öffentliches Kino, wenn ein Wanderkino in Großbottwar ankam und mit Filmnachmittagen und abenden hier die ersten Tonfilme zeigte. Das Vereinshaus war Musterungslokal für Wehrpflichtige, und als es während des letzten Krieges kaum Kohlen gab und die Martinskirche nicht geheizt werden konnte, fanden über den Winter dort auch die sonntäglichen Gottesdienste statt, gab es Familienfeiern, wurden Theaterstücke aufgeführt und Weihnachtsfeiern abgehalten.

Im Jahre 1995 wurde das Haus grundlegend modernisiert und mit einem Anbau größere Räume geschaffen. Heutzutage nutzen jede Woche rund 150 Kinder und Jugendliche der Jungscharen in den Nachmittags und Abendstunden das Vereinshaus, finden Bibelstunden, Vorträge, Versammlungen des CVJM und Chorproben des Posaunenchors statt, auch öffentliche Veranstaltungen und Konzerte.

Großbottwars CVJM, Posaunenchor und "Vereinshaus" sind inzwischen Institutionen in dem dreimal so groß gewordenen Städtchen und seiner Bevölkerung, die weit in Großbottwarer Familien hineinwirken. Im Jahr 1935 musste Eugen Bommer als Beamter den Vorsitz des CVJM abgeben; Müllermeister Ernst Fuchs wurde sein Nachfolger.


Nach dem 2. Weltkrieg

Nach dem Krieg zog der pensionierte Lehrer Bommer mit seiner Ehefrau in die Gartenstraße gegenüber der Martinskirche. Die Kinder waren längst erwachsen und aus dem Haus. Der Sohn Kurt ist als Vikar 1941 in Rußland gefallen, Sohn Otto war Arzt, Tochter Meta war mit einem Pfarrer verheiratet und Tochter Nelly hatte in eine Großbottwarer Gärtnersfamilie eingeheiratet. So war Eugen Bommer auch wieder seinem ursprünglich erlernten Gärtnerberuf nahe und auch "liebhaberisch" darin tätig. Aber er blieb auch sonst ein unermüdlich rüstiger Pensionär, der auch Pullover oder Socken selbst strickte und verschenkte. Musikinstrument, Haus und Familienbesuche, lesen was er gerne und oft tat und Gottes Wort verkünden füllten sein Dasein aus. Dem Missionshaus in Basel blieb er sein Leben lang verbunden; jährlich organisierte und veranstaltete er am ersten Maisonntag in Großbottwar das Missionsfest mit, zu dem aus dem ganzen Kirchenbezirk die Besucher eintrafen und bei dem vor allem auch Missionare zu Wort kamen und predigten. Dies waren immer Höhepunkte im Großbottwarer kirchlichen Leben. Die Geldopfer und Spenden gingen für Missionsarbeit ins Missionshaus.

Grabstätte von Lydia und Eugen Bommer
Die letzte Ruhe von Eugen Bommer auf dem Friedhof in Grossbottwar
1957 konnten Eugen und Lydia Bommer ihre goldene Hochzeit feiern, zwei Jahre später, am 26. Januar 1960, ist Eugen Bommer 82jährig nach längerer Krankheit verstorben. Seine Frau starb knapp vier Jahre später; über 50 Jahre lang war sie seine getreue Lebensgefährtin. Auf dem Großbottwarer Friedhof befindet sich ihre Grabstätte.

Auch nach seinem Tod sind Eugen Bommer und seine Frau in Großbottwar nicht vergessen; die Älteren erinnern sich noch gut und gerne an das Ehepaar, das hier so vorbildlich gelebt hat und bescheiden geblieben war.

Doch weit mehr als sein äußeres und vergängliches Erscheinungsbild sind es die Spuren des Missionars und Schulmannes, die Eugen Bommer hinterlassen hat; sein CVJM mit dem voller Leben erfüllten "Vereinshaus", aber auch das rege Leben in der evangelischen Kirchengemeinde mit der sonntäglich immer von Gottesdienstbesuchern vollen Kirche geben dafür Zeugnis: die Saat, die Eugen Bommer auch in Großbottwar ausgesät hat, ist aufgegangen.


Indisches Kinderheim trägt den Namen "Eugen Bommer"

Aber nicht nur in Großbottwar ist Eugen Bommer unvergessen. Zeitlebens hatte er Briefkontakt mit Menschen seines ehemaligen Missionsgebietes und wenige Monate nach seinem Ableben berichtete ein indischer Arzt in der Martinskirche, dass er wohl nicht Christ und Arzt geworden wäre, hätte Missionar Bommer nicht 50 Jahre zuvor in Indien gewirkt und seine Familie als Christen getauft. Er wollte seinen Vater Bommer noch einmal sehen, doch er kam vier Monate zu spät der Missionar war schon tot.

Jahre später, im August 1976 schrieb Manuel Shantappa Punith einen Brief, der in den Kirchen gelesen wurde, in denen Missionar Bommer als Kind getauft und als Missionar eingesegnet wurde. Er stellte sich vor als ein Sohn des Shantappa Punith aus Motebennur, der am 29. Juni 1913 von Missionar Bommer getauft wurde und von dessen Familie als den Mitgliedern der "Unberührbaren" hier schon berichtet wurde. Er schildert in seinem Brief, wie es zur Bekehrung seines Vaters zum Christenglauben kam und was Eugen Bommer als Missionar alles dort geleistet habe, wie sich die christliche Gemeinde langsam aber stetig entwickelte und dass dort in Motebennur sich jetzt ein Kinderheim befinde, das nach Missionar Bommer benannt sei.

Der Briefschreiber, damals 76 Jahre alt, und seine fünf Geschwister hatten zusammen 21 Kinder; unter ihnen konnten einige studieren und sich Titel erwerben wie Master of Arts oder Doktor der Philologie und gute Berufe ergreifen zwei als Naturwissenschaftler, einer als Philologe, einer als Lehrer und vier als Krankenschwestern. Wäre sein Vater nicht bekehrt und durch Missionar Bommer getauft worden, wären sie alle in Motebennur einfache Hindus geblieben, schrieb Manuel Shantappa Punith: "Wir wissen, dass Missionar Bommer auch, nachdem er in seine deutsche Heimat zurückgekehrt war, viel für die christliche Gemeinde Motebennur betete. Ich glaube, dass das, was in Motebennur geschah, Frucht seiner Gebete ist; wir alle senden herzliche Grüße des Dankes."

Lob und Anerkennung dieser Zeilen hätten Eugen Bommer sicherlich gefreut, mehr jedoch wäre er dankbar dafür gewesen, dass seine Arbeit Früchte getragen hat ganz im Sinne des Psalmwortes "Meine Seele ist stille zu Gott, der mir hilft", das Missionar Bommer am Tag seiner Einsegnung 1902 in der Besigheimer Stadtkirche St. Ciriacus zu seinem Leitspruch wählte.


Quellen:

Basler Mission Bruderverzeichnis BV 1478
Enzbote vom 22.7.1902
Dr. Dagmar Konrad "Württ. Missionsbräute in Übersee"
Staatsarchiv Ludwigsburg FI 200/13 1, Bü68
Eugen Bommer "Der Beginn der Missionsarbeit",
dessen Notizen Nelly Kicherer geb. Bommer: Aussagen
Brief des Manuel Shantappa Punith vom 28.8.1976
CVJM Großbottwar
Fotos: privat, Arnold Pantle, Verfasser, Repro: U. Löffler

- mitgeteilt von Werner Fuchs, Großbottwar -
Mitteilungsblätter der Stadt Großbottwar Nrn. 7-12 (Februar/März) 2003

Der CVJM Großbottwar bedankt sich ganz herzlich bei Werner Fuchs für diese Zusammenstellung und die Überlassung aller Unterlagen.


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